Mein Herzinfarkt – der Besuch rettete mir das Leben

Mein Herzinfarkt – der Besuch rettete mir das Leben

Ingrid 67 Jahre,  Industriekauffrau in Rente

Als es passierte hatte ich Besuch. Das war ein großes Glück, da ich sonst alleine lebe. Ich spürte Schmerzen in der linken Brust und im linken Arm, dazu habe ich stark geschwitzt. Ich dachte mir aber nicht, dass es sich um eine solch schlimme Krankheit handelt. Mein Besuch hat mich dann trotzdem ins Krankenhaus  gebracht, alleine hätte ich das gar nicht mehr geschafft. Vermutlich wäre ich am nächsten Tag zu meinem Hausarzt gegangen. Im Krankenhaus wurde mir gesagt, dass es dann vermutlich schon zu spät gewesen wäre. Der Besuch rettete mir sozusagen das Leben.

Zu schwach für Fragen

Ich bin dann in ein anderes Krankenhaus  verlegt worden, wo sofort ein Herzkathetereingriff gemacht wurde. Vor dem Eingriff wurde ich vom Krankenhauspersonal aufgeklärt und beruhigt. Die meinten, dass ein solcher Eingriff Routine sei. Ich wusste bereits von anderen Ärzten, dass das nicht so schlimm ist und dass man dabei keine Schmerzen hat. Aber mir ging es zu dem Zeitpunkt ohnehin so schlecht, dass mir fast alles egal war.

Während des Eingriffs sprachen die Ärzte viel mit mir. Es bestand zudem die Möglichkeit alles über den Monitor mitzuverfolgen, was allerdings ohne Brille gar nicht so leicht war. Als Laie kann man es wahrscheinlich gar nicht so genau beurteilen, aber ich habe mich im Krankenhaus gut betreut gefühlt.

Grundsätzlich finde ich es wichtig, den Ärzten Fragen zu stellen. Und ich glaube auch, dass man meistens Antworten darauf erhält. Ich persönlich habe allerdings nicht viel gefragt – ich glaube, ich war dazu gar nicht in der Lage. Ich weiß auch gar nicht, ob mir das in  irgendeiner Weise geholfen hätte.

Was ich den Ärzten rate

Ich finde, dass Ärzte auf die Patienten offen zugehen sollten. Dabei ist es wichtig, dass sie erklären, wie genau sie sich die Behandlung vorstellen, gleichzeitig sollten sie herausfinden, wie die Vorstellungen des Patienten sind. So entsteht eine bessere zwischenmenschliche Beziehung. Ärzte sollten auch nicht über sondern mit dem Patienten reden. Bei der Visite im Krankenhaus habe ich etwas Merkwürdiges erlebt: Eine ältere, erfahrene Ärztin war gemeinsam mit einer ganz jungen Ärztin bei mir am Bett. Die junge Ärztin hat sich viele Notizen gemacht und Fragen zu meinem Gesundheitszustand gestellt. Die Kommunikation fand jedoch nicht mit mir statt, sondern es wurde nur über mich gesprochen. Das fand ich schon etwas seltsam. Auf einige Fragen wollte die ältere Ärztin – ich bin mir unsicher, ob sie Chef- oder Oberärztin war – keine Antworten geben, da die jüngere Kollegin dies selber herausfinden müsse. Es wirkte fast so, als würde die ältere die jüngere maßregeln. Es ist selbstverständlich, dass jüngere, unerfahren Ärztinnen und Ärzte bei der Visite dabei sind, schließlich lernen sie so. Allerdings erscheint mir die Weise, die ich erlebt habe, nicht angemessen. Die junge Ärztin wirkte die ganze Zeit sehr schüchtern und schien Angst zu haben, etwas falsches zu sagen. So etwas macht auf Patienten meist einen nicht sonderlich kompetent Eindruck.

Ich mache vielleicht nicht immer das Richtige

Ich muss gestehen, dass ich mich nicht immer an die ärztlichen Vorgaben halte. In Arztpraxen liegen ja meist Infoblätter aus, die ich mir gelegentlich auch durchlese. Ich finde solche Informationen auch schön und gut, letztendlich mache ich die Sachen aber doch auf meine Weise. Manchmal suche ich auch im Internet nach Infos. Ich komme dann meist von einer Seite auf die nächste, wenn mir etwas nicht gefällt, dann interessiert es mich auch nicht wirklich. Ich möchte noch selber entscheiden was ich tun kann, da sind mir medizinische Informationen, die mir Verhaltensänderungen nahe legen, nicht so recht. Ich möchte da auch gar nichts schön reden, aber so verhalte ich mich nun mal.

 

Danksagung

Erfahrungsberichte von patientengeschichten.online fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.
Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung der Redakion von patientengeschichten.online dar.
Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen, sofern dies gewünscht wurde.

 

Redaktion: Philipp Ollenschläger

Stand: 12. 10. 2018