Herz, Gefäße, Kreislauf

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Redaktion:  G. Ollenschläger

Stand: 12. 10. 2018

Mein Herzinfarkt – der zweite Infarkt mit 41

Mein Herzinfarkt – der zweite Infarkt mit 41

Frank 41 Jahre, Sozialpädagoge

An diesem Tag habe ich im Garten gearbeitet. Ich fühlte mich schlapp und innerlich müde. Zunächst dachte ich, es läge an der Hitze. Vorsichtshalber habe ich dann aber meine Sachen zusammengepackt und bin ins Haus gegangen. Beim Treppensteigen bemerkte ich,  dass ich richtig kurzatmig war, mein Puls raste. Ich spürte ein Drücken in der Brust. Dieses Gefühl kannte ich schon von meinem ersten Herzinfarkt. Die Schmerzen strahlten dabei bis in den Arm aus. Ich habe dann meinen Blutdruck gemessen, der lag bei 157 zu 130 – ein viel zu hoher Wert. Ich war mir dann zunächst unschlüssig: jemanden Fragen ob er mich ins Krankenhaus bringt oder den Notarzt rufen? Ich entschied mich für den Notarzt. Das war auf jeden Fall die richtige Entscheidung, weil dann ging alles ganz schnell.

Der Notarzt hat zwar nicht sofort die Diagnose Herzinfarkt gestellt, machte aber Andeutungen in diese Richtung. Als Akutmaßnahme bekam ich einen Atemspray. Laut behandelndem Oberarzt sei das aber nicht ausreichend gewesen, weshalb er mich im Krankenhaus behielt. Dort wurde ich dann zügig operiert. Dabei wurde mir ein dritter Stent eingesetzt, und es wurde festgestellt, dass noch weitere Sachen gemacht werden müssen: ein weiterer Stent muss eingesetzt werden, vielleicht ein Bypass und ein Defibrillator – das habe ich noch vor mir.

Die Ärzte sprachen mit mir, nicht über mich

Ich habe mich im Krankenhaus gut aufgehoben gefühlt, die Ärzte haben wirklich viel mit mir geredet und mich gründlich untersucht. Das war sehr erfreulich. Bei meinem ersten Herzinfarkt haben die Ärzte eher über mich gesprochen statt mit mir. Das habe ich als sehr belastend wahrgenommen. Es ist ohnehin ziemlich nervtötend auf der Intensivstation, da man die ganze Zeit auf die Hilfe anderer angewiesen ist.

Nach meinem ersten Infarkt musste ich regelrecht darum betteln, damit ich auf die Toilette darf oder man mir den “Schieber” bringt. Ich hatte damals den Eindruck, dass das Personal grundsätzlich ziemlich genervt war.

Eine Schwester beschwerte sich sogar bei mir, weil ich sie beim Frühstück gestört habe. Das fand ich unglaublich! Die Ärzte und das Pflegepersonal sollten immer menschlich bleiben und sich auch mal fünf Minuten Zeit nehmen. Es ist wichtig, dass sie gegenüber den Patienten offen sind, auf sie zugehen und genaue Auskünfte geben. Nach meinem zweiten Herzinfarkt war das der Fall, das fand ich sehr schön. Mir wurde meine Perspektive aufgezeigt, die Ursache für den Infarkt erklärt und man nannte mir Beispiele von ähnlichen Fällen. Das hatte für mich einen sehr hohen Wert.

Viele Fragen stellen und Schriftliches fordern

Anderen Patienten rate ich, viel mit den Ärzten zu sprechen und immer Fragen zu stellen. Das Gesagte sollte man sich zudem auch schriftlich geben lassen – das ist ganz wichtig. Ansonsten kann es leicht zu Missverständnissen kommen. Auf die Frage, ob ich wieder Auto fahren dürfe, bekam ich beispielsweise von einem Arzt die Erlaubnis, ein anderer Arzt meinte, dass ich noch nicht so weit sei. So eine Widersprüchlichkeit ist ziemlich nervend.

Momentan stelle ich mir oft die Frage, wie es mit der Krankheit weiter geht und was ich künftig noch machen darf. Ich habe Angst, dass ich nicht mehr Auto fahren oder fliegen darf. Außerdem mache ich mir Sorgen um meine Arbeit. Das sollte zwar nur sekundär sein, aber solche Zukunftssorgen sind glaube ich ganz normal. Ganz schlimm finde ich auch, dass mein Umfeld jetzt glaubt, immer Rücksicht auf mich nehmen zu müssen.

 

Danksagung

Erfahrungsberichte von patientengeschichten.online fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.
Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung der Redakion von patientengeschichten.online dar.
Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen, sofern dies gewünscht wurde.

 

Redaktion: Philipp Ollenschläger

Stand: 24. 9. 2018