Unerfüllter Kinderwunsch

Kinderwunsch: So langsam akzeptieren wir die Kinderlosigkeit

Katharina, 38 Jahre – Ärztin

Seit etwas mehr als sechs Jahren wünschen sich mein Mann und ich ein Kind. Seit dem vergangenen Jahr ahnen wir, dass es sich bei unserer ungewollten Kinderlosigkeit höchstwahrscheinlich um einen dauerhaften Zustand handelt. Aktuell versuchen wir uns von unserem Kinderwunsch zu verabschieden.

Als ich mit 31 Jahren die Pille absetzte, war ich voller Hoffnung, dass ich bald schwanger sein würde. Lange Zyklen ohne das Einsetzen einer Schwangerschaft über ein halbes Jahr führten dazu, dass meine Frauenärztin mir zu einer Hormonbestimmung riet. Die Laborärztin empfahl, meinen Eisprung medikamentös auszulösen, wenn ich schwanger werden wollte. Dadurch beunruhigt, stellte ich mich frühzeitig in einer Kinderwunschklinik vor – Laboruntersuchungen wurden wiederholt und der behandelnde Arzt teilte mir mit, es sei alles in Ordnung. Im Folgemonat wurde ich schwanger. Am Tag nach dem positiven Schwangerschaftstests setzten heftige Krämpfe und Blutungen ein, es kam zu einer frühen kompletten Fehlgeburt. Traurig über die Fehlgeburt, aber erleichtert, dass zumindest spontan eine Schwangerschaft eingetreten war, hoffte ich, bald erneut schwanger zu werden. Mit jeder eintretenden Periode schwand die Hoffnung jedoch ein Stück. Meine betreuende Ärztin und mein Mann waren bei fehlendem Grund für die ungewollte Kinderlosigkeit weiterhin zuversichtlich, dass es schon irgendwann klappen würde. Trotz mittlerweile medikamentöser Behandlung mit Clomifen, um meinen Eisprung zu unterstützen, wurde ich nicht erneut schwanger.

Eine Ursache für die Unfruchtbarkeit konnte nicht gefunden werden

Nach nunmehr drei Jahren ungewollter Kinderlosigkeit – eine richtige Ursache dafür gab es nicht –  empfahlen uns die Ärzte im Kinderwunschzentrum, es mit einer Samenübertragung (Insemination) oder mit einer In-vitro-Fertilisation (IVF) zu probieren. Mein Mann tat sich schwer mit der Vorstellung, dass unser Kind im Reagenzglas gezeugt werden sollte, während ich mittlerweile glaubte, wir müssten nur die künstliche Befruchtung versuchen und würden schon bald unser Wunschkind in den Armen halten. Es verging ein weiteres Jahr, bis wir uns gemeinsam für die künstliche Befruchtung entschieden. Hoffnungsvoll gingen wir in den ersten Zyklus: das Spritzen der Medikamente machte mir nichts aus, ich vertrug diese besser als gedacht und die Ultraschallkontrollen zeigten zahlreiche wachsende Eibläschen. Es folgte der Tag, an dem die Eibläschen gewonnen wurden, dafür setzte man mich in Narkose. Die betreuende Ärztin hatte uns anhand der Ultraschallbilder erläutert, dass sie damit rechnet zwischen zehn und 15 Eizellen zu gewinnen. Die Enttäuschung war groß als wir nach der Operation erfuhren, dass nur drei Eizellen gewonnen werden konnten. Als wir am Tag bevor der Transfer geplant war, telefonisch von einer uns fremden Mitarbeiterin des Labors erfuhren, dass keine der Eizellen befruchtet werden konnte und somit kein Transfer stattfinden würde, waren wir verzweifelt. Im zweiten IVF-Versuch wurden stärkere Medikamente eingesetzt und 15 Eizellen gewonnen, wovon sieben adäquat befruchtet wurden. Wir waren so hoffnungsvoll, als zwei Embryonen in meine Gebärmutter eingesetzt wurden, und so verzweifelt, als die Periode erneut einsetzte und der Schwangerschaftstest negativ war.

Kein Embryo überlebte das Auftauen

Optimistisch, da wir ja noch fünf Embryonen eingefroren hatten, starteten wir den nächsten Versuch. Das Ergebnis: es fand kein Transfer statt, da keiner der fünf Embryonen das Auftauen überlebt hatte. Auch diese Information wurde uns wieder telefonisch durch eine Labormitarbeiterin mitgeteilt, die ich zu einer bestimmten Uhrzeit von meiner Arbeit aus anrufen und dort von ihr erfahren musste, dass auch diese Hoffnung nun gestorben war. Wir hatten keine Kraft und Zuversicht mehr, weitere Versuche anzugehen. Wir entschieden uns zunächst für eine Pause. Nach einigen Monaten kamen wir zum Entschluss, keine weiteren Versuche mehr zu unternehmen, da uns dazu die Kraft fehlte: nicht körperlich, aber seelisch. Wir hatten einfach keine Hoffnung mehr, dass eine weitere künstliche Befruchtung uns zu einem Kind verhelfen könnte.

Professionelle Betreuung jenseits der Kinderwunschpraxis war eine große Hilfe

Gut getan hat mir die Betreuung durch meine niedergelassene Frauenärztin, die mich immer sehr empathisch unterstützt hat und mir Hoffnung gegeben und Ruhe vermittelt hat.  Auch die unterstützende Behandlung einer Heilpraktikerin für traditionelle chinesischen Medizin, die mich mit chinesischen Tees und Akupunktur unterstützt hat, war überaus hilfreich. Zudem möchte ich die äußerst kompetente Untersuchung und Behandlung meiner Osteopathin hervorheben.

Darüber hinaus hatte ich ein einmaliges Gespräch mit einer auf Kinderwunsch spezialisierten Psychotherapeutin, die ich auf eigene Initiative aufgesucht habe. Sie öffnete mir die Augen, dass meine Reaktion auf den unerfüllten Kinderwunsch vollkommen normal und keinerlei krankhaft ist, bot mir dennoch eine unterstützende Behandlung an, auf die ich bei Bedarf zurück gekommen wäre. Sie vermittelte mir sehr deutlich, dass eine unterstützende Psychotherapie mir zwar bei der seelischen Verarbeitung meines unerfüllten Kinderwunsches helfen könnte, sicherlich aber keinen Einfluss auf den Ausgang unserer Kinderwunschbehandlung nehmen würde. Auch dieses Gespräch war sehr hilfreich.

Von den behandelnden Ärzten hätte ich mir bessere Aufklärung gewünscht

Von den behandelnden Ärzten im Kinderwunschzentrum hätte ich mir eine umfassendere Aufklärung gewünscht. Uns, die wir beide selber Ärzte sind, war absolut klar, dass die IVF Behandlung bei weitem keine hundertprozentige Chance für das Eintreten einer Schwangerschaft bietet. Nicht klar war uns jedoch – und wir wurden auch niemals darüber aufgeklärt -, dass es möglicherweise nicht einmal zu einem Embryo-Transfer kommen würde. Die Nachricht, dass kein Transfer stattfinden würde, hätte ich mir durch die behandelnde Ärztin in einem persönlichen Gespräch gewünscht, mit der Erläuterung, wie es nun weitergehen könnte. Des Weiteren hätte ich mir im Kinderwunschzentrum das Angebot einer psychosozialen Beratung gewünscht, die mich in dieser schweren Phase unterstützt. Auch wenn ich mit meinem Mann, meiner Familie und meinen engen Freunden immer hätte sprechen können, hätte es mir doch gut getan, dies in einer professionellen Umgebung zu tun, ohne mich dafür in eine Psychotherapie begeben zu müssen. Ich glaube, es kann hilfreich sein mit jemandem zu sprechen, der nicht selbst von meiner Situation belastet ist. Rückblickend würde ich bei der Wahl des Kinderwunschzentrums mehr auf mein Bauchgefühl hören. Wir hatten nach dem Erstgespräch zwar den Eindruck, dass  wir dort zwar medizinisch adäquat betreut werden, menschlich fühlten wir uns jedoch nicht gut aufgehoben.

 

Danksagung

Erfahrungsberichte von patientengeschichten.online fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.
Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung der Redakion von patientengeschichten.online dar.
Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen, sofern dies gewünscht wurde.

 

Redaktion:  Philipp Ollenschläger

Stand: 13. 11. 2018